Kongress-Tagebuch

von Anne-Christine Gaehler, Diepholz

Freitag 26.04.2013

Es ist Freitag kurz vor 17.00 Uhr vor dem Haupteingang der Messehallen. Eine bunte Schaar Frauen lässt sich vom Regen nicht abschrecken und strömt mit freudiger Erwartung  in die liebevoll vorbereiteten Hallen.

Der Weg führt vorbei an einem vielseitigen Angebot von Büchern, Shirts, Zeitschriften, Kunsthandwerk und Informationen.

Die weiß gedeckten und mit Blumen geschmückten Tische laden zum Essen, Verweilen und zu Gesprächen ein.

Gut 2 Stunden später sind alle gestärkt. Viele Begrüßungen und Begegnungen lassen die Gesichter der Frauen leuchten. Voller Erwartung machen sich alle auf den Weg zum großen Plenum. 1500 Frauen sorgen für eine beeindruckende Kulisse.

Alle haben einen Platz im großen Plenum gefunden und erste Töne fordern Aufmerksamkeit. Eine junge Frau mit bezauberndem Lächeln und einer Gitarre steht auf der Bühne.

Judy Bailey lässt die Finger über die Saiten fliegen, füllt mit ihrer Stimme den Raum, lädt 1500 Frauen ein long time long way mit zu singen. Der Funke springt über, Licht in den Farben des Regenbogens trägt die Töne - die mit Leichtigkeit und Wärme gesungen sind -durch den Raum.

Silke Stattaus die Vorsitzende des Vereins FFF e.V. begrüßt und eröffnet offiziell, mit der ihr eigenen freundlichen und liebevollen Art, diesen Christlichen Frauenkongress, anlässlich des 25- jährigen Bestehens des Frühstücks-Treffens für Frauen e.V.

Andreas Malessa moderiert den Abend, interviewt souverän Silke Stattaus und den Generalsekretär der deutschen ev. Allianz, Hartmut Steeb zu ihren Erfahrungen und Gedanken zum FFF.

Mit viel Humor und in gewohnter Lockerheit folgen Gespräche mit Mitarbeiterinnen und deren Töchtern. Fragen nach den Chancen und Möglichkeiten des Frühstückstreffens stoßen bei den Gästen Gedanken an.

Jesus zieh deine Kreise, dieses vor 10 Jahren eigens für das FFF komponierte Lied, rührt an, weckt Erinnerungen und setzt die Herzen in Brand.

Wie ein Betthupferl der ganz besonderen Art, stellt das Team von Time To Talk Sittensen ihr Konzept und ihre Arbeit vor. Nach Pantomime zum Schmunzeln, Begrüßung und Vorstellung, verzaubert die junge Evangelistin Bettina Becker mit einer Geschichte, die mitten ins Herz und mitten in die Seele der Frühstücks-Frauen trifft. 

Sie erzählt von großen Handtaschen, großen Tattoos und der noch viel größeren Sehnsucht nach Liebe. Sie spricht aus, was sich alle wünschen: Du kannst zu Jesus kommen wie du bist, arm oder reich, voller Sehnsucht und Verletzung und dann - Geh in Frieden.

So, genau so können wir „tun was wir wollen“ - im besten Sinne des Wortes.

Samstag 27.04.2013

Freundliche, fröhliche Gesichter wohin man schaut. Bunt geht es zu mit so vielen Frauen. Wohl keine Farbe, kein Dialekt, kein Duft, keine Haarfarbe die heute nicht in den Hallen der Messe Kassel zu finden wäre.

Mit der erfrischenden Geschichte eines Ehemanns auf dem Beifahrersitz seiner Frau, den „typischen“ Kommentaren,  „heftigen“ Reaktionen  und vermeidbaren Gefahren, die eine solche Situation mit sich bringen, fesselte Thomas Härry aus dem Kanton Aarau in der Schweiz die Frauen im Plenum von der ersten Sekunde an. Sätze wie: "Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu. Aber mit Gott ist Veränderung möglich.", ließen schon erahnen, in welche Richtung der Vormittag gehen würde. Die entscheidende Botschaft:

„ES GIBT JETZT ALSO KEINE VERURTEILUNG MEHR FÜR DIE, DIE IN JESUS CHRISTUS SIND!“

So etwas trifft und bewegt. Härry zeigte die zerstörende Wirkung von Selbstanklage und Anklage auf. Durch das Meditieren destruktiver Sätze arbeiten wir dem Teufel in die Hände. Mit Sätzen aus dem Römerbrief entlarvte Härry, was uns so oft von der Liebe Gottes trennt.

Sein eigenes Erleben,  die spürbare Liebe zur Weisheit unseres Gottes, Humor und Präsenz machten es leicht, den wohltuenden Worten dieses außergewöhnlichen Referenten zu folgen.

Härry motivierte die Frauen „dran“ zu bleiben, Gutes zu tun, auch schwierige Menschen zu segnen und sich auf den Weg zu machen Gottes Perspektive einzunehmen. „Sie hinterlassen einen Kondensstreifen – sie werden bleiben, auch wenn sie gehen!“, war seine Zusage für die Frauen.

Viele gute und hilfreiche Worte wollten nach diesem Vormittag in den Seelen der Frauen Halt finden/verankert werden. Das geht nicht gut mit leerem Bauch, darum war die Mittagspause bei Suppe, Kuchen, Kaffee und anderen Getränken eine willkommene Möglichkeit dem Gehörten noch einmal nachzufühlen.

Am Nachmittag gab es eine Fülle verschiedener Möglichkeiten um sich bei Workshops, Vorträgen, Aktionen oder einer Stadtrundfahrt, zu informieren, Spaß zu haben oder noch mehr Neues zu erfahren.

Ab 19.30 Uhr wurde es im großen Plenum oberschwäbisch. Johannes Warth begeisterte die Frauen mit Wortwitz der besonderen Art. Die Frauen sollten gut hinhören, nicht zuhören, denn „zu“ seien schon genug Menschen in unserem Umfeld. „Stellen sie sich am Morgen vor den Spiegel und sagen sie sich laut: Ich bin das Beste, was den Menschen heute passieren kann!“, forderte Warth das begeisterte Publikum auf. Wenn man dies nicht sagen könne, solle man lieber gleich im Badezimmer bleiben.

Die wichtigsten Voraussetzungen für eine gelingende Kommunikation zeigte er genauso originell und einfallsreich auf, wie die drei oberschwäbische „UNSÄTZE“ aus der Zeit seiner Kindheit:

"Des goht net!"    - Das geht nicht!

"Des hent mir immer scho so g´macht!"   - Das haben wir immer schon so gemacht!

"Was segget Leit?"         - Was sagen die Leute?

Diese Sätze brachten auf den Punkt, was das Zusammenleben in der Familie und auch das Finden neuer Wege in Gemeinden mitunter heftig ausbremst.

Warth spannte - im wahrsten Sinne des Wortes - einen großen Bogen für die Botschaft, wie ein Vorankommen im Leben und im Geist möglich werden kann. Das Fazit dieses „Bogens“ hieß:

Ich werde Kraft aufwenden, ich habe das Ziel vor Augen und ich werde loslassen.

Gekonnt präzise schoss Warth mit einen Pfeil eine brennende Kerze aus und seine Botschaft in die Köpfe und Herzen seiner 1500 Zuhörerinnen - und des einen Zuhörers.

Tosender Applaus und der ganze Stolz seiner Mutter waren Warths Lohn für diesen gelungenen Abend.

Sichtlich beschwingt und bestens gelaunt verteilten sich die Kongress-Teilnehmerinnen in das gut organisierte Nacht Café oder in ihre Hotels, um Kraft zu tanken für den kommenden Sonntag.

Sonntag 28.04.2013

Wieder war es die warme und einladende Stimme von Judy Bailey, die die Frauen einstimmte in den Tag, in die große Kongresshalle lockte und den Lobpreis körperlich erfahrbar machte. Echte Anbetung, sichtbare Liebe, glaubwürdige Dankbarkeit und eine Hingabe, die ihresgleichen sucht. So stand diese strahlende junge Frau mit ihrer Band auf der Bühne. Sie stimmte die Frauen auf den Sonntag ein, auf diesen Tag des Herren, an dem ER uns dienen möchte.

Eine Bildmeditation, die den Blick auf das Licht und den Herrn des Lichtes JESUS CHRISTUS lenkte, führte die Frauen in die Stille.

Nacht und Gewölk und Finsternis dieser Welt, entweicht und flieht.

Das Licht erscheint, der Tag erhebt sich: Christus naht.

Diese Worte stammen aus einem Morgenhymnus, von PRUDENTIUS, einem Mann der ersten Kirche. Ein Bild von Sieger Köder mit dem Titel „Schöpfung“, zeigte die verlorene und von Dunkelheit umgebene Erde. Nur dort, wo ein breiter Lichtstrahl von außen auf die Blumen trifft, ist Leben und Farbe sichtbar. Nach der Dunkelheit der Nacht schenkt das Licht von außen neues Leben. So wie wir dieses Licht brauchen, brauchen wir auch das Licht der Liebe Gottes. In diesem Licht der Liebe können wir so werden, wie er uns erdacht hat und ganz aufblühen!

Sr. Anna-Maria aus der Wiesche, die Priorin der Christus Bruderschaft Selbitz, las das Gleichnis vom verlorenen Sohn vor.

Die Pantomime von Ingrid Coenen, die das Gleichnis „wortlos“ sichtbar machte, ließ staunen. Da bewegte sich eine junge Frau auf der Bühne, Gesicht und Hände in Weiß, sonst ganz in schwarz gekleidet. Sie vermochte es, den drei so sehr verschiedenen Männern der Geschichte Leben einzuhauchen, ihren inneren und äußeren Kampf zu zeigen. Und sie wies den Weg zur Versöhnung durch liebevolle Gesten und Minen.

Sr. Anna-Maria aus der Wiesche ergänzte mit ihrer Erzählpredigt das Gesehene. Sie öffnete die Augen für die Erkenntnis, dass jeder von uns Anteile beider Söhne in sich trägt. Einerseits die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung. Und gleichermaßen das Pflichtbewusstsein und die mangelnde Fähigkeit, Bedürfnisse zu formulieren. Versöhnung wird in uns möglich, durch die versöhnende Liebe des himmlischen Vaters.

Ein gefülltes und erfülltes Wochenende fand mit diesem Gottesdienst seinen Abschluss. Lange werden die - in großen und kleinen Gruppen nach Hause reisenden - Frauen über das Gehörte und Gesehene nachdenken, einzelne Mosaiksteinchen in das Bild der eigenen Biografie einbauen, weitererzählen und Kondensstreifen hinterlassen, wo man ihnen zuhört.